Wichtiges für Angehörige
Wie Kinder Depression und Manie erleben

Eine Psychose ist für mich (wie)...
- "Im Alltag aber haben wir Geschwister in den schwierigen Zeiten
alles allein geregelt, das war dann manchmal auch ein sehr erhabenes
Gefühl. Meine Schwester konnte besser auf Durchzug schalten. Ich
habe mich sehr darum bemüht, meine Mutter bei Laune zu halten,
habe immer wieder das Gespräch mit ihr gesucht. Manchmal konnte
ich sogar die Phasen hinauszögern. Aber am Ende stand dann immer
die tiefe Ohnmacht vor der Depression. Das war abgründig grauenvoll.
Mein Vater hat sich sehr in Arbeit gestürzt, hat immer gut funktioniert.
Er hat zu ihr gestanden und war zugleich völlig überfordert.
Später haben wir dann auch gelegentlich über die Situation
sprechen können."
- "Meine Mutter starb, als ich zwölf Jahre alt war. Ich wusste,
dass sie sich das Leben genommen hat; aber gesagt hat man mir etwas
anderes. Es war ein einziges Fragezeichen über der ganzen Sache.
Erst viel später hat mir ein Freund die Wahrheit gesagt. Es ist
das Schlimmste, was man machen kann, Kinder zu belügen und es
ist falsch, sie zu schonen. Das hing mir wie ein Stein am Bein mein
ganzes Leben lang."
- "Das Schlimmste war für mich, festzustellen, da ist ein Mensch,
den man kennt und mag, und in diesen Phasen ist er jemand ganz anders."
- "Seit ich denke kann, habe immer eher ich
meine Mutter getröstet als meine Mutter mich. .....Manchmal habe
ich sie behandelt wie ein kleines Kind: `Nun hör mal zu, das siehst
Du jetzt falsch, das ist gar nicht so, wie Du denkst...., also jetzt
setzt Du Dich erst mal hin und nimmst deine Tabletten."
- "Meine Gefühle zu meiner Mutter waren sehr widersprüchlich.
Das war so eine Mischung aus Leidtun und Fassungslosigkeit: Das kann
doch nicht wahr sein, dass sich jemand in einer Woche so verändern
kann. Und dann war da manchmal auch eine richtige Ablehnung, dass
man froh ist, sie mal nicht sehen zu müssen, wenn sie zwei
Stunden oben im Bett ist."
- "Zum Schluss ist es sogar so, dass man nichts anderes wünscht,
als dass sie ins Krankenhaus kommt, weil das gar nicht mehr zu ertragen
ist. Und ich kann das auch gar nicht verantworten, oder will es auch
gar nicht verantworten müssen. Ich kann nicht 24 Stunden auf meine
Mutter aufpassen. Ich kann es aber auch nicht verantworten, dass
sie sich irgendwie was antut."
(Quelle: T. Bock, StimmenReich, Balance – Buch und Medien Verlag)