Psychosen verlaufen individuell sehr verschieden. So wie jeder Traum ist auch jede Psychose anders. Um trotzdem eine Orientierung zu ermöglichen, wurde der mögliche Verlauf in verschiedene Phasen eingeteilt. Deren Ausprägung kann aber sehr unterschiedlich sein: (siehe Modell der Psychosenentwicklung).
Die „Prodromalphase“ (die
„Vorläuferphase“) ist die Phase von Beginn erster milder
psychischer Veränderungen bis zum durchgängigen Auftreten von
psychotischen Symptomen (z. B. Halluzinationen oder Wahn). Die durchschnittliche
Dauer dieser Phase liegt bei etwa zwei bis fünf Jahren, bei manchen Betroffenen
hält sie auch noch länger an. Wie bei Daniel und Melissa können
Veränderungen der Stimmung, der Aktivität, der Beziehung zu
Familienangehörigen oder Freunden oder Veränderungen des Sozialverhaltens
oder der schulischen/beruflichen Leistungsfähigkeit erste Anzeichen
sein. Diese Anzeichen können allein auftreten oder zusammen mit
ersten „milden“ psychotischen Symptomen. Diese „milden“
psychotischen Symptome umfassen erste wahnhaft anmutende Überzeugungen,
die nicht auf Tatsachen beruhen oder übersteigert sind (sog. „attenuierte
psychotische Symptome“), und Halluzinationen, die innerhalb
von einer Woche von selbst wieder aufhören (sog. „Brief
Limited Intermittend Psychotic Symptoms“, BLIPS).
Zumeist geht die Prodromalphase dann fließend in die Phase
der unbehandelten Psychose (englisch: Duration of Unreated Psychosis,
DUP) über, d. h., die psychotischen Symptome bestehen jetzt
durchgängig, der Betroffene wird aber noch behandelt. In dieser Phase
sind die Konsequenzen für die Prognose am größten, z. B.
verlieren die Betroffenen ihre Arbeit, gehen nicht mehr zur Schule oder
belasten Beziehungen zu Familie oder Freunden (siehe mögliche
Konsequenzen eines verzögerten Behandlungsbeginns).
