Therapie von Psychosen

Wie gehe ich mit Nebenwirkungen um?

bildIm Verlauf der medikamentösen Therapie können verschiedene Nebenwirkungen auftreten. Viele dieser Nebenwirkungen sind von außen nicht ersichtlich, d. h. der Arzt kann nicht sehen, ob Sie an dieser oder jener Nebenwirkung leiden. Dementsprechend ist er darauf angewiesen, dass Sie ihn darüber informieren. Dies gilt insbesondere für sexuelle Funktionsstörungen, über die zu sprechen nicht leicht ist. Eine offene Diskussion löst oftmals viele Probleme und Befürchtungen und trägt dazu bei, ein Vertrauensverhältnis entstehen zu lassen. Haben Sie ein wenig Geduld: Die meisten Nebenwirkungen treten zu Beginn auf und verschwinden von selbst wieder.

Nebenwirkungen:
Auf was ich achten muss und wie ich damit umgehen kann

  

Extrapyramidal-motorische Störungen (EPMS)

Worauf ich achten muss

  • Sie fühlen sich steif, schwer und nicht mehr so beweglich.
  • Ihr Stimmung verschlechtert sich.
  • Möglicherweise können Sie schlechter sehen.
  • Im Extremfall haben Sie Schwierigkeiten beim Schlucken oder können nicht mehr nach unten schauen.

Bedeutung und was Sie tun können

  • Es tritt zumeist am Anfang der Therapie auf.
  • Tritt bei älteren Antipsychotika wesentlich häufiger auf.
  • Suchen Sie einen Arzt auf.
  • Lassen Sie sich für mindestens zwei Wochen Biperiden retard verordnen.
  • Diskutieren Sie eine Dosisreduktion, ggf. einen Wechsel des Antipsychotikums.

Akathisie (= Sitz- oder Stehunruhe)

Worauf ich achten muss

  • Sie können nicht mehr still sitzen oder still stehen.
  • Sie fühlen sich innerlich unruhig.
  • Sie haben den Drang, sich dauernd zu bewegen bzw. herumzulaufen.

Bedeutung und was Sie tun können

  • Siehe Extrapyramidal-motorische Störungen (EPMS)

Tardive Dyskinesien (TD)

Worauf ich achten muss

  • Ohne Ihr Zutun, machen Sie mit dem Mund Kau- oder Schmatzbewegunge.
  • Ohne Ihr Zutun, bewegen sich ein oder mehrere Körperteil.

Bedeutung und was Sie tun können

  • Suchen Sie einen Arzt auf.
  • Diskutieren Sie eine Dosisreduktion, ggf. einen Wechsel des Antipsychotikums, ggf. eine zusätzliche Medikation.

Sexuelle und endokrine (hormonelle) Störungen

Worauf ich achten muss

  • Sie haben weniger Lust auf sexuelle Betätigung.
  • Sie haben Probleme, sexuell erregt zu werden und einen Orgasmus zu erreichen.
  • Ihre Menstruation bleibt aus.
  • Sie können nicht mehr ejakulieren.

Bedeutung und was Sie tun können

  • Trauen Sie sich dieses Problem offen anzusprechen!
  • Es tritt unter bestimmten Antipsychotika und bestimmten Antidepressiva auf.
  • Suchen Sie einen Arzt auf
  • Lassen Sie den Prolaktinspiegel messen, ggf. bei Frauen auch den Östrogenspiegel und bei Männern auch den Testosteronspiegel.
  • Diskutieren Sie eine Dosisreduktion, ggf. einen Wechsel des Antpsychotikums oder des Antidepressivums, ggf. eine zusätzliche Medikation.

Gewichtszunahme

Worauf ich achten muss

  • Sie haben deutlich mehr Appetit und Hunger, v. a. auf Süßigkeiten, aber auch auf fette Speisen.
  • Sie essen plötzlich viel mehr als früher.
  • Ihr Gefühl, satt zu sein, stellt sich nicht mehr ein.
  • Sie nehmen in kurzer Zeit viel an Gewicht zu.

Bedeutung und was Sie tun können

  • Tritt unter bestimmten Antipsychotika, bestimmten Antidepressiva und bestimmten Phasenprophylaktika auf, v. a. , wenn diese in Kombination eingenommen werden.
  • Suchen Sie einen Arzt auf.
  • Diskutieren Sie ggf. einen Wechsel der Medikation.
  • Lassen Sie sich ggf. eine Diätberatung verordnen.
  • Fragen Sie nach speziellen Trainingsprogrammen.
  • Versuchen Sie, Ihre Essgewohnheiten zu kontrollieren und ggf. umzustellen.

Psychische Nebenwirkungen

Worauf ich achten muss

  • Sie können sich nicht mehr konzentrieren.
  • Sie fühlen sich schläfrig und kraftlos.
  • Sie schlafen übermäßig viel.
  • Sie haben Probleme, über längere Zeit aufmerksam zu sein.
  • Sie haben das Gefühl, dass Ihr Gedächtnis schlechter geworden ist.

Bedeutung und was Sie tun können

  • Die Ursache kann die Erkrankung oder eine Nebenwirkung der Medikation sein.
  • Suchen Sie einen Arzt auf.
  • Diskutieren Sie mögliche Ursachen.
  • Fragen Sie, ob eine neuropsychologische Testung möglich ist. Hierbei wird versucht, Ihre Beobachtungen hinsichtlich Ihrer kognitiven Fähigkeiten anhand von verschiedenen Tests zu objektivieren.
    Diskutieren Sie ggf. einen Wechsel der Medikation.
    Fragen Sie nach speziellen Trainingsprogrammen, z. B. CogPack oder Metakognitives Training (MKT).

Vegetative Nebenwirkungen

Worauf ich achten muss

  • Ihnen ist schwindelig.
  • Ihr Herz rast oder klopft sehr stark.
  • Sie haben Verstopfung oder Durchfall.
  • Sie bemerken Mundtrockenheit oder Speichelfluss.
  • Sie schlafen schlecht.
  • Sie haben das Gefühl, dass Sie schlechter sehen als zuvor.

Bedeutung und was Sie tun können

  • Die meisten dieser Nebenwirkungen treten nur zu Beginn auf und verschwinden von selbst wieder .
  • Suchen Sie ggf. einen Arzt auf und diskutieren Sie mögliche Therapien, z. B. Kaugummi kann gegen Mundtrockenheit, Schlafmedikation gegen Schlafstörungen etc.
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