Wissen über Psychosen

Was ist eine Psychose?

bildPsychotisch zu werden, bedeutet vorübergehend aus der Realität auszusteigen, sie verändert wahrzunehmen und zu verarbeiten.
Vorrangig werden die Sinneswahrnehmungen „eigensinnig“ und das Denken sprunghaft assoziativ (schizophrene Psychosen). Oder diese Veränderungen sind eher Ausdruck starker Schwankungen von Stimmung und Antrieb (affektive Psychose) – in eine meist depressive Richtung (unipolar) oder in beide, manisch-depressive Richtungen (bipolar).
Dieser Ausstieg kann ein Schutzmechanismus sein, weil die Realität zu schmerzhaft, die Widersprüche zu stark und Entscheidungen unmöglich oder Gefühle nicht auszuhalten sind. Bei extremer Belastung (Traumatisierung) oder völligem Reizentzug können bzw. müssen auch sehr stabile Menschen so reagieren. Bei sehr sensiblen Menschen können, vor allem in instabilen Zeiten, weit weniger Eindrücke oder soziale Brüche zu psychotischen Reaktionen führen. Diese sog. Vulnerabilität ist nicht als Vorstadium der Erkrankung, sondern als die verletzliche Kehrseite der Sensibilität anzusehen.
Eine spezifische Eigendynamik auf psychischer, körperlicher, sozialer, familiärer und Ebene die Situation verselbständigen und erschweren: Bestimmte kognitive Muster können die Depression vertiefen, Veränderungen des Hirnstoffwechsels die Sensibilität noch weiter zuspitzen, soziale Ängste die Isolation verstärken, familiäre Mißverständnisse die Widersprüche vertiefen.

Die psychotischen Symptome können abhängig von inneren Wünschen und Ängsten und abhängig vom Lebenskontext ganz verschiedene Formen annehmen. Psychotische Symptome sind zum Beispiel akustische oder optische Halluzinationen, Wahnvorstellungen oder Veränderung des Denkens. Betroffene hören z. B. Stimmen, fühlen sich unrealistisch bedroht, verfolgt oder kontrolliert, stellen unrealistische Zusammenhänge zwischen Erlebnissen und ihrer Person her, denken, dass sie die Gedanken anderer Menschen „lesen” können oder berichten, dass ihre Gedanken nicht mehr so strukturiert und geordnet sind, wie sie es von sich kennen. Häufig erscheint auch ihr Verhalten verändert, sie sind nicht mehr so leistungsfähig wie früher und ziehen sich von Freunden und Familie zurück. Neben dieser „symptomorientierten” Sicht existieren auch noch andere Sichtweisen (s. Kap. „Verständnis von Psychosen”).

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