Wissen über Psychosen

Welche Symptome gibt es?

Die Kernsymptome einer Psychose werden grob in vier Kategorien eingeteilt:
1. Positive Symptome, 2. Negative Symptome, 3. Kognitive Symptome (Denkstörungen) und 4. sog. Ich-Störungen. Nachfolgend finden Sie eine Liste mit typischen Symptomen, die Betroffene wahrnehmen.

Symptome: Was der Betroffene wahrnimmt

Positive Symptome:

Halluzinationen

Symptomerklärung: Dinge hören, sehen, fühlen, schmecken oder riechen, die nicht wirklich existieren

Wie Sie es empfinden können

  • Die häufigste Halluzination ist das Hören von Stimmen.
  • Manche Menschen empfinden diese Stimmen vor allem in den ersten Tagen als angenehm und nicht als beängstigend.
  • Andere können Stimmen hören, die scheußliche oder negative Dinge sagen oder Befehle erteilen.

Wahnvorstellungen

Symptomerklärung: Absolute Überzeugung von Dingen, die nicht wahr sein können.

Wie Sie es empfinden können

  • Vorstellung, andere Menschen würden sich gegen einen verschwören, versuchen, einen zu schädigen oder zu verfolgen
  • Überzeugung, man werde über das Fernsehgerät beobachtet
  • Überzeugung, man sei eine berühmte Persönlichkeit
  • Überzeugung, Fernsehgerät oder Radio würden einem Signale oder Botschaften zusenden
  • Sonderbare oder zwanghafte religiöse Vorstellungen

Negative Symptome

Antriebsarmut

Wie Sie es empfinden können

  • Man kann das Interesse an allen Aspekten des Lebens verlieren.
  • Die Energie schwindet und die Erledigung selbst der einfachsten Aufgaben bereitet Schwierigkeiten, z. B. morgens aufzustehen oder das Haus bzw. die Wohnung aufzuräumen.

Sozialer Rückzug

Wie Sie es empfinden können

  • Man verliert das Interesse an Freunden und möchte die Zeit am liebsten allein verbringen; dabei empfindet man häufig ein intensives Gefühl der Isolation.

Konzentrationsmangel

  • Man hat große Probleme, ein Buch zu lesen, sich an etwas zu erinnern oder sich etwas Neues zu merken.

Kognitive Symptome

Denkstörungen

Wie Sie es empfinden können

  • Zerfahrenes Denken, das zu Verwirrung und Konzentrationsverlust führt

Sprach- und Denkverarmung

Wie Sie es empfinden können

  • Man beginnt, etwas zu sagen, doch mittendrin vergisst man, was man sagen wollte.
  • Das Durchdenken von Dingen kostet zu viel Anstrengung und erscheint zu schwierig.

Ich-Störung

Depersonalisation/ Derealisation

Wie Sie es empfinden können

  • Personen, Gegenstände und Umgebung erscheinen unwirklich, fremdartig, räumlich verändert, v. a. die eigene Person.

Gedankenentzug, -ausbreitung, -eingebung

Wie Sie es empfinden können

  • Gedanken werden als von außen her beeinflusst, als gemacht, gelenkt, gesteuert, eingegeben oder aufgedrängt empfunden; Gefühle, dass andere Menschen wissen was man denkt, oder dass Gedanken „abgezogen“ werden können

 
Symptome: Wie sie den Angehörigen erscheinen
 

Fremdbeeinflussungserlebnisse

Symptomerklärung: Betroffene berichten oft von der Erfahrung, dass ihr Empfinden, ihre Gedanken und Handlungen von außen kontrolliert oder gesteuert würden.

Subjektive Schilderung der Betroffenen

  • „Andere Personen können meine Gedanken lesen.“
  • „Was ich denke, ist nicht von mir, sondern wird von außen gesteuert.“
  • „Ich muss manchmal Dinge tun, die ich nicht tun will.“
  • „Meine Handlungen werden von anderen Personen/Mächten beeinflusst.“

Wie die Symptome den Angehörigen erscheinen

  • Die dadurch eintretenden Veränderungen des Betroffenen sind zunächst unverständlich und befremdlich. Als Angehöriger können Sie ja zunächst nicht wissen, was im Betroffenen vor sich geht. Sie bemerken jedoch eine deutliche Veränderung.

Subjektive Schilderung der Angehörigen

  • „Er benimmt sich oft so seltsam, wir erkennen ihn gar nicht wieder.“
  • „Er sagt gar nichts mehr.“
  • „Manchmal schaut er, als hätten wir ihm etwas angetan.“

Ungewöhnliche Sinneswahrnehmungen

Symptomerklärung: Betroffene berichten oft von angstauslösenden, beeinträchtigenden oder ungewöhnlichen Erfahrungen. Oft meinen sie damit das Hören von Stimmen oder Geräuschen, seltener auch das Sehen, Riechen oder Schmecken von bestimmten Dingen. Von einer Halluzination wird in diesem Zusammenhang dann gesprochen, wenn diese Sinneswahrnehmungen nicht auf einer äußeren Reizquelle beruhen. Man hört etwas, ohne dass ein Geräusch gemacht wurde. Man sieht etwas an einer weißen Wand.

Subjektive Schilderung der Betroffenen

  • „Ich kann Geräusche, Stimmen oder Gespräche hören, obwohl ich allein in einem ruhigen Zimmer bin. Andere Personen sagen, sie würden nichts hören. Ich bin mir aber sicher.“
  • „In manchen Räumen riecht es schlecht, wie nach giftigen Gasen.“

Wie die Symptome den Angehörigen erscheinen

  • Halluzinationen sind für Angehörige in der Regel zunächst nicht als solche zu erkennen. Sie erleben z. B. dass der Betroffene abwesend und unkonzentriert wirkt. Häufig entstehen deshalb Konflikte zwischen Betroffenen und Angehörigen: Der Betroffene geht selbstverständlich davon aus, dass seine Wahrnehmungen „richtig“ sind. Sie sind aber nur für ihn allein real. Für alle anderen sind sie nicht vorhanden. Die Angehörigen wissen deshalb gar nicht, wovon der Betroffene spricht und warum er sich manchmal so seltsam verhält. So kommt es schnell zu Streitigkeiten.

Subjektive Schilderung der Angehörigen

  • „Manchmal unterbricht er das Gespräch und dreht sich weg, als ob er etwas gehört hätte.“
  • „Sie schaut sich im Zimmer um, als würde sie etwas suchen.“

Überzeugungen zu ungewöhnlichen Sachverhalten

Symptomerklärung: Betroffene berichten oft von Überzeugungen, die sie mit großer Gewissheit vertreten und die ungewöhnliche oder beängstigende Inhalte haben. Als Wahn werden solche Überzeugungen bezeichnet, die nicht auf Tatsachen beruhen, an denen aber festgehalten wird. Betroffene berichten nicht selten nach einer erfolgten Stabilisierung, dass sie sich in manche Überzeugungen „hineingesteigert“ haben und nicht mehr gut beurteilen konnten, was von diesen Überzeugungen nun wirklich der Realität entspricht.

Subjektive Schilderung der Betroffenen

  • „Ich bin Opfer einer ungerechtfertigten Verfolgung. Ich weiß, dass es Personen gibt, die es auf mich abgesehen haben und mich nicht in Ruhe lassen.“
  • „Ich habe außergewöhnliche Fähigkeiten, die mich von anderen Personen unterscheiden.“
  • „Ich bin für das Glück aller Menschen auf diesem Planeten verantwortlich.“
  • „Ich stehe mit besonderen Mächten oder Personen in enger Beziehung.“

Wie die Symptome den Angehörigen erscheinen

  • Wahnhafte Überzeugungen eines Betroffenen sind ein großes Problem für die Angehörigen. Sie können diese Überzeugungen in keiner Weise nachvollziehen, fühlen sich verletzt und missverstanden, teilweise sogar bedroht.

Subjektive Schilderung der Angehörigen

  • „Er macht uns oft Vorwürfe und verlangt, in Ruhe gelassen zu werden.“
  • „Manchmal wird er sogar extrem aggressiv, das macht uns dann richtig Angst.“
  • „Sie ist oft so abwesend, dann wieder herablassend und tut ganz ungewöhnliche Dinge.“
  • „Oft bildet er sich ein, etwas Besonderes zu sein.“
  • „Wir verstehen sie nicht mehr.“

Veränderungen des Denkablaufs

Symptomerklärung: Die Art und Weise des Denkens kann sich im Zusammenhang mit der akuten Phase der Erkrankung verändern. Betroffene berichten häufig von Unterbrechungen im Ablauf der Gedanken und von Konzentrationsschwierigkeiten.

Subjektive Schilderung der Betroffenen

  • „Manchmal kann ich einen Gedanken nicht zu Ende denken.“
  • „Manchmal springe ich von einem Thema zum nächsten.“
  • „Ich kann mich manchmal nicht lange konzentrieren.“
  • „Ich habe zu viele Gedanken gleichzeitig im Kopf.“

Wie die Symptome den Angehörigen erscheinen

  • Im alltäglichen Zusammenleben ist diese Veränderung oft unübersehbar.

Subjektive Schilderung der Angehörigen

  • „Man kann kein längeres zusammenhängendes Gespräch mehr mit ihm führen.“
  • „Sie hört gar nicht mehr richtig zu.“
  • „Er hat Tomaten auf den Ohren.“
  • „Alles geht durcheinander in seinen Gedanken.“
  • „Ihre Aufgaben kann sie nicht mehr erledigen, sie unterbricht immer und kommt nicht zum Ende.“

Veränderung des Antriebs

Symptomerklärung: Betroffene erleben sehr häufig, dass sie sich nur schwer aufraffen können, den Tag wie geplant zu beginnen und Aufgaben in Angriff zu nehmen. Das kann so weit gehen, dass ganze Tage im Bett verbracht werden, ohne dass daraus das Interesse erwächst, wieder aktiver zu werden.

Subjektive Schilderung der Betroffenen

  • „Morgens aus dem Bett zu kommen fällt mir sehr schwer. Meist bleibe ich dann einfach liegen.“
  • „Manche meiner Aufgaben kann ich nicht bewältigen.“
  • „Manchmal habe ich keine Lust, mich zu waschen.“
  • „Am Kontakt zu anderen Menschen habe ich das Interesse etwas verloren.“

Wie die Symptome den Angehörigen erscheinen

  • Für die Angehörigen erwächst aus diesen Veränderungen eine große Belastung. Ihr erkranktes Familienmitglied vernachlässigt seine Aufgaben im Haushalt, wirkt manchmal ungepflegt, geht keiner regelmäßigen Tätigkeit nach und „hängt ziellos zu Hause herum“.

Subjektive Schilderung der Angehörigen

  • „Ihre Arbeit scheint ihr egal zu sein.“
  • „Sein Zimmer ist total unordentlich, an der Hausarbeit beteiligt er sich gar nicht mehr.“
  • „Mit ihr in der Öffentlichkeit gesehen zu werden ist peinlich.“
  • „Er zieht sich nur noch in sein Zimmer zurück.“

Veränderung der Gefühle

Symptomerklärung: Betroffene erleben im Zusammenhang mit einer psychotischen Episode meist eine deutliche Veränderung ihrer Gefühle. Gefühle, die sie bis dahin kaum gekannt haben, treten häufig auf. Andere Gefühle fehlen auf einmal. Manchmal passt das Gefühlserleben nicht zu den erlebten Situationen. Nicht selten treten Suizidgedanken auf.

Subjektive Schilderung der Betroffenen

  • „Ich bin häufiger ängstlich, aber auch häufiger aggressiv.“
  • „Manchmal fühle ich gar nichts mehr.“
  • „Meine Gefühle sind manchmal ganz anders, als es der Situation entspricht.“
  • „Ich bin häufiger als früher bedrückt.“
  • „Häufig bin ich gereizt.“
  • „Gelegentlich denke ich daran, mich umzubringen.“

Wie die Symptome den Angehörigen erscheinen

  • Angehörige erleben, dass sie sich mit ihrem Familienmitglied nicht mehr auskennen. Die Persönlichkeit scheint sich verändert zu haben.

Subjektive Schilderung der Angehörigen

  • „Sie traut sich nichts mehr zu.“
  • „Er ist manchmal wie ein Automat, aber dann gibt es auch diese Ausraster.“
  • „Manchmal lacht sie komisch, wenn sie traurig ist.“
  • „Sie sieht nur noch alles schwarz.“
  • „Sein Missmut ist bedrückend; immer häufiger spricht er von Selbstmord.“

(Quelle: Auszug aus dem Buch: Schizophren? Orientierung für Betroffene und Angehörige. Klingberg/ Mayenberger/ Blaumann. Weinheim: Beltz-Verlag 2005.)

 

Außerdem können sog. psychose-assoziierte Symptome vorkommen:

1. Aggressivität, Erregtheit, Feindseligkeit, innere Unruhe, Anspannung, psychomotorische Unruhe. Diese Symptome treten bei Verfolgungsideen, bei bedrohlich wirkender Fehlinterpretation der Umgebung sowie dem Gefühl der Fremdsteuerung und -beeinflussung auf. Weiterhin können diese Verhaltensweisen als Reaktion auf beschimpfende, drohende oder kommentierende Stimmen auftreten.

2. Fremd- oder eigengefährdendes Verhalten. Eigengefährdendes Verhalten bei Betroffenen mit einer psychotischen Störung äußert sich auf der einen Seite durch das In-Situationen-Bringen, die gefährlich werden können, z. B. durch Provokation von Schlägereien, auf der anderen Seite aber auch durch selbstverletzende Verhaltensweisen, wie das Schneiden mit scharfen Gegenständen in den Unterarm.

Plus-Minus-Symptome

 

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